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Leuchtende Augen der schwarzen Masse

Es gibt im Singen keine Tonfolge, die zu „banal“ wäre. Hier schreibt der Sänger Til von Dombois über sein Verhältnis zu seinem Sound der Stimme auf der Bühne.

Du schaust nur in Dunkelheit. Vor dir sind Scheinwerfer, die dich blenden, aber irgendetwas weiteres siehst du noch im Schwarz der Masse an Menschen. Ohne es wirklich wahrzunehmen, siehst du ihre Augen leuchten.

 

Es ist ein Moment mit vielen Eindrücken, die auf dich einprasseln. Du formst jedes Wort, jede Silbe und bist dir sehr bewusst darüber, dass gerade ganz schön viele Menschen zuhören. Es könnten leider im nächsten Moment verschiedene unschöne Dinge passieren. Zum Beispiel kann dich die Textsicherheit verlassen. Sei es nur für einen Moment, doch der ist schon genug und du fliegst aus allem hinaus, was du dir vielleicht einmal zurecht gelegt hattest. Du kannst dich plötzlich mit der Frage beschäftigen, ob deine Melodie und der Inhalt deines Textes überhaupt Relevanz für diesen schönen Moment in diesem großen Theater besitzen. Und dann sind da all diese unbekannten Zuhörer*innen, die viel Geld für eine Konzertkarte bezahlt haben. Du kannst eine Menge von unerwarteten Selbstzweifeln aufmachen und dich plötzlich klein und unsicher fühlen, wie du da stehst: nur mit dem Mikrofon in der Hand.

 

Es gibt aber etwas, das viel entscheidender und wichtiger ist. Diese Dinge sind mir immer mal wieder und in den letzten Konzerten besonders klar geworden.

 

Deine Vorstellung formt den Klang. Je konkreter Dein Idealbild im Kopf erklingt, umso unglaublich viel schöner, reiner und „kompletter“ wird dein Singen. Der in deiner Vorstellung bereits gehörte Sound wird von dir einfach nur noch mit realem Leben gefüllt. Es geht dabei überhaupt nicht um unerreichbare Vorbilder und auch nicht um die Kopie eines Stimmsounds deiner amerikanischen Idole. Es geht schlicht darum, wie du diesen Song ideal singst und in Szene setzt.

 

Damit verwandt, aber doch etwas anderes: Was wäre, wenn du deine Einstellung änderst? Du nimmst eine neue Erkenntnis mit in deinen Song: Jeder produzierte Klang, jeder Ton aus deinem Mund ist ab sofort das Wertvollste und Schönste, was es überhaupt gibt. Das bedeutet, jede noch so einfache und banale Melodie, jedes leise gesungene Backing – „Ah“ aus deinem Mund und all das, was du eigentlich als Musiker*in verabscheust, übersteigt den Wert jeglichen Geldes. Natürlich brauchst du Selbstreflektion, natürlich brauchst du Demut und einen unbändigen Willen, um an dir zu arbeiten. Doch kombiniert mit dieser Einsicht, dass du mit diesem Moment gesegnet bist und er ein unbezahlbares Geschenk ist, wird jeder Sound, den du produzierst, ein Feuerwerk.

Und dann siehst du in die Dunkelheit und erkennst, wie all die Augen leuchten.

 

 

 

2019-01-08T14:36:55+01:00Januar 8th, 2019|Allgemein, Essays and Poems, News|0 Comments

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